24.03.2026 / Distr@l
KI-basierte Textilsortierung macht Recycling effizienter, wirtschaftlicher und nachhaltiger
Digitalministerium fördert Projekt zur automatisierten Kleidungssortierung der Desion GmbH in Darmstadt mit 160.000 Euro
Darmstadt. Häufig können Textilien recycelt und wiederverwendet werden. Das Sortieren ist aber zeit-, kosten- und ressourcenintensiv. Die Firma Desion GmbH in Darmstadt hat daher einen innovativen und automatisierten Sortierprozess entwickelt, der mittels Computer-Vision, Robotik und Künstlicher Intelligenz das manuelle Sortieren ablöst. Das Projekt „Automatisierte Kleidungssortierung: T3S“ wurde mit 160.000 Euro aus dem Programm „Distr@l“ des Hessischen Digitalministeriums gefördert. Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus hat sich heute über das erfolgreich abgeschlossene Projekt bei Desion-Geschäftsführer Dr. Dirk Siegmund informiert.
KI als Motor für mehr Nachhaltigkeit
„Innovative Technologien wie die automatisierte Kleidungssortierung zeigen eindrucksvoll, wie Digitalisierung und Künstliche Intelligenz zu mehr Nachhaltigkeit beitragen können. Mit dem Projekt T3S stärkt Hessen gezielt zukunftsweisende Lösungen, die Ressourcen schonen, Prozesse effizienter gestalten und neue wirtschaftliche Potenziale erschließen. Die Förderung aus Distr@l unterstützt genau solche Entwicklungen an der Schnittstelle von Umwelt, Innovation und digitaler Transformation“, sagte Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus.
In Deutschland werden nach Zahlen des Statistischen Bundesamts pro Jahr rund 175.000 Tonnen Textil- und Bekleidungsabfälle von privaten Haushalten eingesammelt, etwa zwei Kilogramm pro Kopf. Die Tendenz ist angesichts des anhaltenden Trends zu Fast-Fashion steigend. Um herauszufinden, für welche Zwecke Altkleider noch weiter genutzt werden können – zum Beispiel zur weiteren Nutzung als Kleidungsstück oder zur Verarbeitung als Putzlappen oder Dämmvlies – müssen die gesammelten Altkleider sortiert werden. Desion hat daher ein Inspektionssystem entwickelt, das Textilien über eine Robotik einzeln greift und im freien Fall inspiziert. Kleidungsstücke, die eine weitere Analyse benötigen, werden dann über ein neuartiges Robotiksystem automatisch ausgebreitet. Kameras nehmen dann aus mehreren Winkeln die Textilien auf und senden diese an eine ebenfalls im Projekt entwickelte KI-basierte Software. Produktkategorie, Material, Qualität und Defekte können so digital identifiziert werden. Wenn die Kleidungsstücke mittels Roboter automatisiert in die Inspektionsbox geworfen werden, können bis zu 600 Artikel pro Stunde analysiert werden.
Einzigartiges technologisches Konzept
Dr. Dirk Siegmund, Geschäftsführer Desion GmbH: „Das entwickelte System ist das erste vollautomatische Sortiersystem, das Altkleider ohne menschliche Interaktion in hoher Genauigkeit und Geschwindigkeit sortieren kann. Die mechanische Vereinzelung und Ausbreitung von Kleidungsstücken und das intelligente Zusammenspiel aus Sensorik, feinmechanischer Aktorik und KI-basierter Regelungslogik stellt ein Alleinstellungsmerkmal dar und hebt die technologische Lösung von existierenden Systemen deutlich ab.
Siegmund erläuterte, dass ihre Entwicklung hauptsächlich für Unternehmen sei, die Alttextilien sammeln und sortieren. Diese sparten nicht nur Zeit und Personal, sondern könnten die Kleidungsstücke auch bei sich vor Ort sortieren, statt sie zu externen Sortierfirmen zu geben, was Transportwege einspare. Denkbar ist für Siegmund auch, die entwickelte Technologie für andere Branchen zu nutzen, zum Beispiel für das automatisierte Retourenmanagement von Kleidung im Einzelhandel oder im Rahmen der Sortierung und Qualitätskontrolle von Berufsbekleidung.
Die Desion GmbH ist ein Anbieter textiler Prüfsysteme mit einem besonderen technischen Schwerpunkt auf Maschinelles Lernen, Software-Engineering und Robotik. Das Unternehmen wurde 2020 als Spin-off von Fraunhofer IGD und TU Darmstadt gegründet. Die Gründer entwickelten die Kerntechnologie durch ihre Forschung, die nun von Desion weiterentwickelt wird.
Hintergrund
Aktuell sind bereits 170 Projekte mit einem Fördervolumen von rund 56 Millionen Euro bewilligt worden. Hinzu kommen rund 31 Millionen Euro Kofinanzierung aus der Wirtschaft, sowie rund 5,5 Millionen Euro aus dem EFRE Programm 21+. Ausführliche Informationen zum Projekt gibt es auf der Plattform LIDIA.
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Markus Büttner, Pressesprecher HMD