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25.03.2026 / Distr@l

KI-Projekt für Frühwarnsystem nach der Geburt

In der Regel erfolgt eine routinemäßige Überwachung der Vitalwerte nur bei erkrankten Neugeborenen. Da dies aber auch bei gesunden Babys sinnvoll ist, entwickelt das Kompetenzzentrum für Informationstechnologie an der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) in Friedberg gemeinsam mit der Hochschule Fulda ein KI-basiertes Frühwarnsystem mittels einer intelligenten – und zudem kabellosen – Nabelklemme. Diese ermöglicht ein kontinuierliches Monitoring und schlägt selbstständig Alarm, sollten die Werte nicht in Ordnung sein. Das Projekt „InNa – Intelligente Nabelklemme“ wird mit fast 950.000 Euro aus dem Programm „Distr@l“ des Hessischen Digitalministeriums gefördert. Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus hat sich heute über das Projekt informiert und den Förderbescheid an Wirtschaftsinformatiker Prof. Dr. Michael Guckert und Kinderkardiologen Prof. Dr. Jannos Siaplaouras überreicht.

„Mit der Förderung unterstützen wir eine Innovation, die modernste KI-Technologie mit konkretem medizinischem Nutzen verbindet. Gerade vor dem Hintergrund wachsender Herausforderungen im Gesundheitswesen zeigt dieses Projekt beispielhaft, wie digitale Lösungen Fachkräfte entlasten und die Qualität der Betreuung nachhaltig verbessern können. Hessen setzt damit ein starkes Zeichen für zukunftsweisende Forschung und eine innovative Gesundheitsversorgung“, sagte Digitalministerin Sinemus.

Zuverlässiger Schutz vor Verwechslung Neugeborener

Nach Geburten wird die Nabelschnur standardmäßig mit einer Nabelklemme aus Kunststoff abgeklemmt. Geht es nach dem Forscherteam an THM und Hochschule Fulda, soll künftig eine intelligente Nabelklemme verwendet werden, die nicht nur dem reinen Stillen des Blutflusses dient, sondern wertvollen Aufschluss über das Wohlbefinden des Kindes in den ersten Tagen nach der Geburt gibt. In der Klemme ist Sensorik verbaut, die Zwerchfellkontraktionen und den Puls der Aorta erfasst und bei Abweichungen Alarm schlägt. Bisher erfolgt die Überwachung der Vitalwerte nur bei erkrankten Neugeborenen, doch sei ein Monitoring essenzieller Bestandteil der Neonatologie, erläuterte Prof. Siaplaouras. Ebenso erschwere derzeit die Nutzung eines verkabelten Systems zum Monitoring den Umgang mit dem Säugling. Aktuell gibt es bereits einen Prototyp der intelligenten Nabelklemme, bis zum Ende der Projektlaufzeit im September 2027 wollen die Forscherinnen und Forscher eine alltagstaugliche Klemme validiert und entwickelt haben, um sie daran anschließend als Spin-off aus der Hochschule in den Markt bringen zu können. Aus Forschenden werden dann Innovatoren.

Neben dem permanenten medizinischen Monitoring ist in der Sensorik auch ein räumlich vorgegebener Bereich hinterlegt. Verlässt das Baby diesen Bereich, wird ebenfalls Alarm ausgelöst beziehungsweise hilft es bei der Lokalisierung, sollte ein medizinischer Alarm ertönen. Die Klemme ist zudem ein zuverlässiger Schutz vor Verwechslung Neugeborener.

Zum Wohle Neugeborener und zur Entlastung im klinischen Alltag

„Vor dem Hintergrund von Fachkräftemangel und Kostendruck in Krankenhäusern besitzt die intelligente Nabelklemme großes Potenzial, die Betreuung von Neugeborenen zu optimieren und gleichzeitig das Personal zu entlasten“, sagte Prof. Guckert.

Das interdisziplinäre Projektkonsortium besteht aus den Forschungsgruppen des Wirtschaftsinformatikers und Gründungsmitglieds des Hessischen Zentrums für Künstliche Intelligenz Prof. Dr. Michael Guckert (THM), und des Kinderkardiologen Prof. Dr. Jannos Siaplaouras (Hochschule Fulda). In diesem Projekt wird langjährige Erfahrung aus dem Bereich der KI und den Kenntnissen klinischer Anwendungen zu einer medizinischen Innovation zum Wohle Neugeborener und zur Entlastung im klinischen Alltag gebündelt

Hintergrund

Aktuell sind bereits 170 Projekte mit einem Fördervolumen von rund 56 Millionen Euro bewilligt worden. Hinzu kommen rund 31 Millionen Euro Kofinanzierung aus der Wirtschaft sowie rund 5,5 Millionen Euro aus dem EFRE-Programm 21+. Ausführliche Informationen zum Projekt gibt es auf der Plattform LIDIA

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Markus Büttner, Pressesprecher HMD