20.03.2026 / Distr@l
Dank digitaler Hilfe bessere Diagnostik und Versorgung für Post-COVID-Erkrankte
Digitalministerium fördert mittelhessisches Projekt „SymptomAI“ mit rund 1 Million Euro / App zur Überwachung des Gesundheitszustands
Marburg/Gießen. Laut Weltgesundheitsorganisation sind etwa zehn Prozent aller Corona-Infizierten von Post-COVID betroffen. In Deutschland sind es circa 1 Million Menschen, in der Europäischen Union etwa 18 bis 20 Millionen. Derzeit ist die Versorgung dieser Patientinnen und Patienten aufgrund der Vielzahl an Symptomen und der notwendigen komplexen und interdisziplinären Zusammenarbeit schwierig. Mit dem neuen Konsortialprojekt „SymptomAI“ entwickeln das Universitätsklinikum Marburg (UKGM), die Technische Hochschule Mittelhessen (THM) und die Justus-Liebig-Universität Gießen eine digital unterstützte Versorgungsstruktur für Post-COVID-Patientinnen und -Patienten. Das Projekt „SymptomAI“ wird mit insgesamt rund 1 Million Euro aus dem Distr@l-Förderprogramm des Hessischen Ministeriums für Digitalisierung und Innovation sowie aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) 21+ gefördert.
„Mit dem Projekt wird eine Lösung geschaffen, die Patientinnen und Patienten in den Mittelpunkt stellt, Wege verkürzt und eine bedarfsgerechte Versorgung ermöglicht. Digitale Technologien schaffen somit einen echten Mehrwert für die Menschen. Dank ‚SymtpomAI‘ werden durch die Verbindung moderner KI-Methoden mit medizinischer Expertise neue Maßstäbe in der Versorgung von Post-COVID-Patientinnen und -Patienten gesetzt“, sagt Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus.
Strukturierte digitale Vorabklärung
Von einem Post-COVID-Syndrom spricht man, wenn gesundheitliche Beschwerden nach einer Corona-Infektion über Wochen oder Monate anhalten oder neu auftreten. Aufgrund der großen Bandbreite möglicher Symptome fällt die medizinische Einordnung häufig schwer, viele Betroffene suchen daher Orientierung im Gesundheitssystem. Eine frühzeitige, strukturierte Diagnostik ist entscheidend, um Patientinnen und Patienten schneller in die passende Behandlung zu führen. Kern des Projekts „SymptomAI“ ist eine digitale Interaktionsplattform, die die ambulante Regelversorgung erstmals systematisch mit spezialisierten Behandlungsstrukturen vernetzt. Sie dient als zentrale digitale Anlaufstelle, über die Informationen gebündelt, medizinische Einschätzungen unterstützt und Versorgungswege koordiniert werden.
„Post-COVID äußert sich sehr unterschiedlich, was die medizinische Einordnung oft erschwert. Die Plattform ermöglicht eine strukturierte digitale Vorabklärung und unterstützt Patientinnen und Patienten dabei, schneller die richtige Anlaufstelle zu finden“, erläutert Projektleiterin Prof. Dr. Birgit Markus, Leitende Oberärztin in der Klinik für Kardiologie, Angiologie und internistische Intensivmedizin am UKGM.
Digitale Interaktionsplattform
Die digitale Interaktionsplattform bildet das zentrale Element des Projekts und integriert neben der webbasierten Anwendung auch eine mobile App sowie sensorbasierte Anwendungen. Patientinnen und Patienten können darüber ihren Gesundheitszustand kontinuierlich dokumentieren, Symptome erfassen und mit ihren behandelnden Ärztinnen und Ärzten in Kontakt bleiben. Ergänzende Daten aus Wearables wie Smartwatches ermöglichen Einblicke in Aktivitäts- und Schlafverhalten sowie den Krankheitsverlauf im Alltag und unterstützen eine individuellere medizinische Einschätzung. Begleitende Schulungen und Austauschformate fördern zudem die enge Vernetzung zwischen Forschung, hausärztlicher Versorgung und spezialisierter Behandlung. Das Projekt läuft zunächst im Rahmen einer Pilotphase am Universitätsklinikum Marburg bis Mai 2027; bei erfolgreicher Erprobung ist eine regionale Ausweitung des Versorgungskonzepts vorgesehen.
Getragen wird „SymptomAI“ von einem interdisziplinären Konsortium aus Medizin, Informatik und Digitaler Gesundheitsforschung in Mittelhessen. Universitätsklinikum und Universität Marburg verantworten die klinische Diagnostik, Versorgung und patientennahe Forschung. Die Technische Hochschule Mittelhessen entwickelt unter der Leitung von Prof. Dr. Volker Groß die digitale Plattformarchitektur einschließlich mobiler Anwendungen und nutzerzentrierter Interaktionskonzepte. Das Institut für Medizinische Informatik der Justus-Liebig-Universität Gießen (Prof. Dr. Keywan Sohrabi) bringt seine Expertise in KI-gestützter Datenanalyse, Datenintegration und Datenschutz ein. Gemeinsam verfolgen die Partner das Ziel, digitale Technologien nachhaltig in die Versorgung von Menschen mit Post-COVID zu überführen.
Hintergrund
Aktuell sind bereits 170 Projekte mit einem Fördervolumen von rund 56 Millionen Euro bewilligt worden. Hinzu kommen rund 31 Millionen Euro Kofinanzierung aus der Wirtschaft, sowie rund 5,5 Millionen Euro aus dem EFRE Programm 21+.
Sie haben Fragen?
Markus Büttner, Pressesprecher HMD