04.08.2026 / Starke Heimat Hessen
Künstliche Intelligenz schafft die Grundlage für vorausschauende kommunale Planung
Landkreis Darmstadt-Dieburg erhält 200.000 Euro zum Aufbau einer KI-basierten Wohnraumbedarfsanalyse
Nicht nur der Landkreis Darmstadt-Dieburg steht vor der Herausforderung, dass die Bevölkerungszahl wächst, aber nicht in gleichen Teilen der Bestand an Wohnungen, schon gar nicht der für einkommensschwache Zielgruppen bezahlbare Wohnraum. Der Landkreis will nun mit einer systematischen Analyse den Kommunen Daten an die Hand geben, die demografische, soziale und infrastrukturelle Faktoren in einer Datenplattform zusammenführen und analysieren. Möglich wird das Projekt „KI-basierte Wohnraumbedarfsanalyse“ durch die Förderung smarter Kommunen und Regionen im Programm „Starke Heimat Hessen“. Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus hat den Bescheid über 200.000 Euro heute während ihrer Sommerreise an Sozial- und Jugenddezernentin Christel Sprößler überreicht.
„Künstliche Intelligenz und intelligente Datenanalysen eröffnen Kommunen neue Möglichkeiten, komplexe gesellschaftliche Entwicklungen besser zu verstehen und vorausschauend zu handeln. Mit der KI-basierten Wohnraumbedarfsanalyse erhält der Landkreis Darmstadt-Dieburg ein leistungsfähiges Instrument, um Wohnraumbedarfe frühzeitig zu erkennen und Planungsprozesse datenbasiert zu unterstützen. So setzen wir Digitalisierung ganz konkret für mehr Lebensqualität und eine zukunftsfähige Entwicklung unserer Kommunen ein“, sagte die Ministerin.
Informations- und Entscheidungsgrundlage
Zwischen 2014 und 2024 ist die Einwohnerzahl im Landkreis Darmstadt-Dieburg um 4,8 Prozentpunkte gestiegen, der Bestand an Wohnungen ist aber nur um 2,7 Prozentpunkte gewachsen, die Mieten um 35 bis 40 Prozent. Gleichzeitig führt der demografische Wandel dazu, dass der Anteil älterer Menschen steigt und Zuzüge hauptsächlich in den Kommunen erfolgen, die eine gute Anbindung an Darmstadt und Frankfurt haben. Besonders der Rückgang geförderter Wohnungen und der steigende Bedarf in bestimmten Zielgruppen (Ältere, Familien, einkommensschwache Haushalte) erfordern eine datenbasierte Steuerung. Mittels einer kleinräumigen differenzierten Wohnraumbedarfsanalyse, die demografische, soziale und infrastrukturelle Faktoren systematisch zusammenführt, soll der Situation begegnet werden, heißt es im Projektantrag. Mit der 2025 eingeführten und ebenfalls vom Digitalministerium geförderten offenen kommunalen Datenplattform verfügt der Landkreis erstmals über ein Werkzeug, um relevante Bevölkerungs-, Sozial- und Marktdaten zentral zu bündeln und zu verknüpfen. Daraus sollen strategische Steuerungsinstrumente entwickelt werden.
Die Wohnraumbedarfsanalyse dient dabei nicht der direkten Steuerung kommunaler Bauvorhaben, sondern als gemeinsame Informations- und Entscheidungsgrundlage. Sie kann in die übergeordnete Raumordnung, Sozialraumanalyse und Infrastrukturplanung eingebunden werden und perspektivisch auch als Basis für Indikatorenmodelle wie Mietspiegel, Sozialstrukturanalysen oder Bedarfsplanungen genutzt werden. Für die kreisangehörigen Kommunen entsteht ein direkt nutzbarer Mehrwert: Sie erhalten ein gemeinsames Werkzeug zur Beobachtung und Bewertung von Wohnraumbedarfen, zur Analyse von kleinräumigen Trends sowie zur interkommunalen Abstimmung. So können die Kommunen ihre Planungsentscheidungen besser aufeinander abstimmen und über den Landkreis koordinierte Handlungsempfehlungen ableiten. Durch diese modulare Architektur entsteht ein standardisierbares System, das auch in anderen Regionen als Blaupause für integrierte Wohnraum- und Regionalplanung dienen kann.
Wohnraum dort entstehen lassen, wo er gebraucht wird
Zudem wird geprüft, inwiefern der Einsatz eines KI-gestützten Analyse- und Szenariomoduls sinnvoll ist, um Prognosen zur Wohnraumentwicklung und möglichen Zukunftsszenarien wie demografischen Veränderungen oder Preisschwankungen zu unterstützen. Ergänzend wird ein Co-Creation-Prozess mit Kommunen etabliert, um die Dashboards nutzerzentriert weiterzuentwickeln und praxisnahe Anforderungen unmittelbar in die technische Umsetzung einfließen zu lassen.
„Mit der KI-basierten Wohnraumbedarfsanalyse schaffen wir erstmals eine verlässliche Datengrundlage, um Wohnraumbedarfe in unserem Landkreis frühzeitig zu erkennen, den Kommunen belastbare Zahlen an die Hand zu geben und zu beobachten, wie sich der Wohnungsmarkt im Laufe der Jahre entwickelt“, so Christel Sprößler, Sozial- und Jugenddezernentin des Kreises Darmstadt-Dieburg. „Gerade für ältere Menschen, Familien und einkommensschwache Haushalte wollen wir so sicherstellen, dass bezahlbarer Wohnraum dort entsteht, wo er tatsächlich gebraucht wird, und nicht dort, wo es sich am einfachsten umsetzen lässt. Denn wer sein Leben lang in unserem Landkreis verwurzelt ist, soll hier auch bleiben können, wenn die Rente kommt oder die Familie wächst. Diese Verlässlichkeit sind wir den Menschen vor Ort schuldig – und dafür setzen wir die neuen technischen Möglichkeiten ganz gezielt ein, nicht als Selbstzweck, sondern als Werkzeug für konkrete, spürbare Verbesserungen vor Ort."
Hintergrund Förderprogramm „Starke Heimat Hessen“
Mit dem Programm „Starke Heimat Hessen“ werden die Kommunen bei wichtigen Zukunftsprojekten unterstützt. Über die Förderung smarter Kommunen und Regionen im Programm „Starke Heimat Hessen“ stellt das Land seit 2021 rund 15,5 Millionen Euro jährlich für kommunale Digitalisierungsvorhaben bereit. Bisher wurden beziehungsweise werden 149 Vorhaben mit einer Gesamtfördersumme von rund 110 Millionen Euro bewilligt. Seit 2025 ergänzt eine neue Förderlinie das Programm: Sie unterstützt die Nachnutzung erprobter, datenplattformbasierter Lösungen. Seit 2026 können Kommunen im neuen Förderprogramm „kommunal.digital.hessen“ eine Förderung von Basistechnologien zur Verwaltungsdigitalisierung aus Mitteln des Programms „Starke Heimat Hessen“ beantragen.
Um die Kommunen zu unterstützen, Austausch und Vernetzung zu ermöglichen, hat die Hessische Landesregierung im Frühjahr 2020 die Geschäftsstelle Smarte Regionen im Haus der Digitalministerin eingerichtet. Durch die Formate des Wissenstransfers der Geschäftsstelle Smarte Region, etwa durch die Best-Practice-Datenbank oder Erfahrungskreise, profitieren auch nicht geförderte Kommunen von der Förderung.
Nähere Informationen finden Sie unter
www.digitales.hessen.de/Foerderprogramme/Starke-Heimat sowie unter
Sie haben Fragen?
Markus Büttner, Pressesprecher HMD