06.08.2026 / Starke Heimat Hessen
Netz intelligenter Warnsysteme für Starkregen und Hochwasser
Schwalm-Eder-Kreis erhält 1,62 Millionen Euro zur Einrichtung eines Starkregenfrühalarmsystems. Sensoren auf rund 57 Prozent der Fläche des Landes.
Laut verschiedenen Untersuchungen weist der Schwalm-Eder-Kreis einen sehr hohen Anteil an hochwassergefährdeten Gebäuden auf. In einer aktuell veröffentlichen Studie der Deutschen Umwelthilfe liegt der Kreis im bundesweiten Vergleich der durch Hochwasser gefährdeten Adressen auf Platz 21. Da es in der Vergangenheit an unterschiedlichen Stellen immer wieder zu starken Überschwemmungen gekommen ist, will der Landkreis ein KI-gestütztes Starkregen- und Hochwasserfrühwarnsystem installieren. Möglich wird das Projekt durch die Förderung smarter Kommunen und Regionen im Programm „Starke Heimat Hessen“. Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus hat den Bescheid über 1,62 Millionen Euro heute während ihrer Sommerreise an den Ersten Beigeordneten Jürgen Kaufmann überreicht.
„Die Folgen des Klimawandels machen sich auch in Hessen immer häufiger durch Starkregen und Hochwasser bemerkbar. Deshalb investieren wir gezielt in digitale Frühwarnsysteme, die Menschen schützen und Einsatzkräfte unterstützen. Mit dem Projekt im Schwalm-Eder-Kreis wächst das hessenweite Netz intelligenter Warnsysteme weiter. Künftig profitieren rund 62 Prozent der hessischen Bevölkerung von solchen Lösungen. So zeigen wir, wie Digitalisierung ganz konkret dazu beiträgt, Leben zu schützen, Schäden zu begrenzen und unsere Kommunen widerstandsfähiger gegenüber den Herausforderungen des Klimawandels zu machen“, sagte die Ministerin. Seit 2021 hat das Hessische Digitalministerium in zahlreichen Kommunen Starkregenfrühalarmsysteme gefördert. Mit den 2026 neu ausgesprochenen Förderungen wie im Schwalm-Eder-Kreis gibt es nun beziehungsweise künftig auf rund 57 Prozent der Fläche Hessens ein Warnsystem. Damit profitieren rund 62 Prozent der Bevölkerung von solch einem Warnsystem. Aktuell oder künftig gibt es in 14 der 26 hessischen Landkreise sowie in drei der fünf kreisfreien Städte ein Warnsystem. Laut Auswertung der Deutschen Umwelthilfe liegt das höchste Risiko für schwere Hochwasser-Schäden in Hessen im Main-Kinzig-Kreis, gefolgt vom Schwalm-Eder-Kreis und dem Landkreis Marburg-Biedenkopf. Die Auswertung bezieht sich auf die Anzahl der betroffenen Adressen bei einer Überlastung der Schutzinfrastruktur im Worst-Case-Szenario. Die Realität sieht laut Aussage des Wasserverbands Schwalm dank der bereits im Landkreis getroffenen Schutzmaßnahmen und Investitionen in technische Hochwasserschutzmaßnahmen wie die Becken Treysa-Ziegenhain, Heidelbach und der Antrifttalsperre mit zusammen 16 Millionen Kubikmetern Rückhaltevolumen anders aus.
Daten in Echtzeit
Dennoch: Der Schwalm-Eder-Kreis ist aufgrund seiner topografischen Lage, der Vielzahl kleiner Fließgewässer und der zunehmenden Wetterextreme besonders anfällig für Starkregen- und Hochwasserereignisse. In den vergangenen Jahren kam es regelmäßig zu Überflutungen von Ortslagen, Verkehrswegen und landwirtschaftlichen Flächen, die erhebliche Sach- und Umweltschäden verursachten. Gerade Starkregen hat durch ein überlastetes Kanalsystem innerhalb kurzer Zeit zu lokalen Überflutungen geführt – oft in Gebieten, die bislang nicht als Risikozonen galten. Für das Frühwarnsystem sollen rund 140 Wasserstands-, 40 Bodenfeuchte- und 50 Niederschlagssensoren installiert werden. Die Daten werden in Echtzeit an die schon vorhandene Datenplattform des Landkreises übertragen. Die offene urbane Datenplattform integriert und verknüpft Umwelt-, Verkehrs- und Infrastrukturdaten und stellt diese für die Gefahrenbewertung zur Verfügung. Dadurch können nicht nur Wasserstände und Regenmengen, sondern auch Auswirkungen auf Verkehrswege, kritische Infrastrukturen und Einsatzlogistik berücksichtigt werden. Die Verwaltung, insbesondere die Einsatzkräfte können durch einen umfangreichen Zugriff auf interaktive Karten, Warnstufen und Prognosen, besser und schneller reagieren. Die Bürgerinnen und Bürger können auf einem Dashboard ortsbezogen verständliche Informationen Warnungen und Handlungsempfehlungen einsehen. Der Schwalm-Eder-Kreis greift bei dem Projekt auf die Erfahrungen in Eschborn (Main-Taunus-Kreis) zurück.
Kreisbeigeordneter Jürgen Kaufmann „Wir setzen mit diesem Projekt unseren im letzten Jahr begonnen Weg fort, wir entwickeln unsere Offene Urbane Datenplattform als Datendrehscheibe weiter. Wir integrieren und verknüpfen so Umwelt-, Verkehrs- und Infrastrukturdaten und stellen diese für die Gefahrenbewertung zur Verfügung. Dadurch können nicht nur Wasserstände und Regenmengen, sondern auch Auswirkungen auf Verkehrswege, kritische Infrastrukturen und Einsatzlogistik in die Entscheidung einbezogen werden. Und letztendlich dient dieses Projekt zwei Hauptnutzergruppen, erstens, den Bürgerinnen und Bürger, die zuverlässig, ortsbezogen und leicht verständlich informiert werden sollen, und zweitens, den Behörden und Einsatzkräfte, die in Krisenlagen schnell und fundiert handeln müssen.“
Hintergrund Förderprogramm „Starke Heimat Hessen“
Mit dem Programm „Starke Heimat Hessen“ werden die Kommunen bei wichtigen Zukunftsprojekten unterstützt. Über die Förderung smarter Kommunen und Regionen im Programm „Starke Heimat Hessen“ stellt das Land seit 2021 rund 15,5 Millionen Euro jährlich für kommunale Digitalisierungsvorhaben bereit. Bisher wurden beziehungsweise werden 149 Vorhaben mit einer Gesamtfördersumme von rund 110 Millionen Euro bewilligt. Seit 2025 ergänzt eine neue Förderlinie das Programm: Sie unterstützt die Nachnutzung erprobter, datenplattformbasierter Lösungen. Seit 2026 können Kommunen im neuen Förderprogramm „kommunal.digital.hessen“ eine Förderung von Basistechnologien zur Verwaltungsdigitalisierung aus Mitteln des Programms „Starke Heimat Hessen“ beantragen.
Um die Kommunen zu unterstützen, Austausch und Vernetzung zu ermöglichen, hat die Hessische Landesregierung im Frühjahr 2020 die Geschäftsstelle Smarte Regionen im Haus der Digitalministerin eingerichtet. Durch die Formate des Wissenstransfers der Geschäftsstelle Smarte Region, etwa durch die Best-Practice-Datenbank oder Erfahrungskreise, profitieren auch nicht geförderte Kommunen von der Förderung.
Nähere Informationen finden Sie unter
www.digitales.hessen.de/Foerderprogramme/Starke-Heimat sowie unter
Sie haben Fragen?
Markus Gögele, Pressesprecher HMD